Adresse

Renggli-Haus
St. Georg-Strasse 2

Impulsfrage

WAS IST MIR IN MEINEM
WOHNUMFELD WICHTIG?
WIE SÄHE ES AUS,
WENN ALLE SO WOHNEN KÖNNTEN,
WIE SIE MÖCHTEN?

Wirtschaft ist Care

Wohnen heisst, einen Ort zu haben, an den ich mich zurückziehen kann, wo
ich für meine Nächsten sorgen und mich von ihnen versorgen lassen kann, wo ich meine Habe unterbringen, schlafen, essen kann, wo ich in Ruhe kacke, spiele, Neues beginne. Der Wohnsitz kann ein bewegliches Zelt sein, ein Haus, ein Appartement, ein Hotelzimmer, oder der tragbare Haushalt von Leuten, die an keinem festen Ort bleiben möchten. Das Wohnen kann vielseitig gestaltet sein: man kann alleine wohnen, in einer Wohngemeinschaft oder auch in einer traditionellen Familie. 
Die noch herrschende Ordnung hat das Wohnen scheinbar vom Arbeiten getrennt: Wirtschaft findet angeblich nur „draussen“ statt, in der Fabrik oder im Büro. Der „Arbeitsplatz“ gilt als „produktiv“, weil er das Geld einbringt, das im abgeschotteten, „re-produktiven“ Wohnraum wieder ausgegeben wird. Gleichzeitig ist Wohnen zum Geschäft geworden: Wer hohe Mieten nicht zahlen kann, muss umziehen, wird entwurzelt, pendelt weite Wege und kann sich keine gute Wohnlage leisten. Viele Hausbesitzer*innen kassieren ab, oft ohne etwas dafür zu leisten. So fliessen täglich Millionen an Geldern von den Mieter*innen zu den Hausbesitzer*innen. Wohlstand wird von unten nach oben umverteilt. Es entstehen einerseits hippe, teure Stadtteile, unpersönliche „Schlafstädte“ ohne soziale Zentren, und andererseits Industrie- oder Bürowüsten, die viel unnötige Pendel­mobilität verursachen.
Care bedeutet zu erkennen, dass „draussen“ und „drinnen“ gelebt und gewirtschaftet wird. Arbeit und Ruhe, „Work“ und „Life“ gehen überall ineinander über. Dieses lebensfreundliche Durcheinander soll sich in der Art spiegeln, wie wir Häuser, Dörfer und Städte bauen.

Sursee

Für das Renggli-Haus, den Stadthof von Luigi Snozzi und andere Neubauten, mit denen die Stadt das Siedlungsgebiet zwischen der Altstadt und den modernen Quartieren aufwertete, erhielt Sursee im Jahre 2003 den Wakkerpreis für beispielhaften Ortsbildschutz.

Das Renggli-Haus steht gleichzeitig an und über der Sure, in und ausserhalb der Altstadt. Die Integration von Holzbauweise und Wasserläufen weist auf die alte städtische Gewerbezone hin. Das Haus ist energieeffi­zient, sozialverträglich und nachhaltig gebaut und dient dem ­Wirtschaften und Wohnen zugleich.

Meinung

„Wenn man ein Quartier einfach niederwalzt und neu aufbaut, braucht es ein bis zwei Generationen, bis es wirklich lebt. Ausserdem fehlen bei einer Neuentwicklung meistens die Nischen, also Orte, wo Neues, Unerwartetes entstehen kann, wo man Dinge ausprobieren kann. Nischen könnte man aber eigentlich problemlos einplanen. Es gäbe dann halt etwas ­etwas weniger Rendite.“

Barbara Buser, Architektin, https://architekturbasel.ch/barbara-buser-bauen-ist-nicht-wie-im-supermarkt-wo-man-3-fuer-2-bekommt-monatsinterview-4/, zuletzt abgerufen am 21.03.2021.